WerkmaßWerkzeug kaufen, mieten oder bleiben lassen

Budget und Preise

Kaufen oder mieten: ab wie vielen Einsätzen sich ein Werkzeug trägt

Der Break-even ist eine Division. Mit Tabelle für vier Geräte, den versteckten Kosten der Miete und der Einfuhrrechnung seit dem 1. Juli 2026.

An open grey plastic tool case holding spanners, a wheel brace and screwdriver, beside a car wheel
A car's factory tool roll: two open-ended spanners, a plug spanner and a wheel brace in a moulded case.Foto: Tony Harrison from Farnborough, UK · CC BY-SA 2.0 · Wikimedia Commons · Quellenseite öffnen

Die Entscheidung zwischen Kauf und Miete wird meist aus dem Bauch getroffen und ist in Wahrheit eine Division. Kaufpreis geteilt durch Tagesmiete ergibt die Zahl der Einsätze, ab der sich der Kauf trägt; alles Weitere sind Zuschläge, die sich ebenfalls beziffern lassen.

Dieser Ratgeber rechnet vier typische Geräte durch, benennt die Kosten, die in beiden Varianten dazukommen, und zeigt an einem Beispiel, was eine Bestellung aus einem Nicht-EU-Land seit dem 1. Juli 2026 tatsächlich kostet. Alle Preise sind Rechenbeispiele und stammen aus keiner Preisabfrage.

Der Break-even ist eine Division

Nehmen Sie den Kaufpreis und teilen Sie ihn durch die Tagesmiete. Ein Bohrhammer für 180 € gegen eine Tagesmiete von 25 € ergibt 7,2; ab dem achten Miettag haben Sie 200 € bezahlt und damit mehr als den Kaufpreis. Die Schwelle liegt also beim 8. Einsatz, und sie ist unabhängig davon, wie teuer das Gerät klingt.

Die Rechnung dreht sich, sobald die Tagesmiete im Verhältnis zum Kaufpreis hoch ist. Eine Rüttelplatte für 900 € gegen 70 € am Tag trägt sich erst ab dem 13. Einsatz; wer einmal eine Einfahrt verdichtet, wird diese Zahl in einem Leben nicht erreichen. Umgekehrt erreicht ein Akku-Bohrschrauber für 120 € gegen 15 € am Tag die Schwelle schon im ersten Projekt.

Entscheidend ist, dass Sie die Einsätze ehrlich schätzen und nicht die Projekte, die Sie sich vornehmen. Der Rechner für Kosten pro Einsatz auf dieser Seite nimmt Kaufpreis, Mietpreis und Ihre eigene Einsatzzahl entgegen und zeigt beide Summen nebeneinander.

Break-even zwischen Kauf und Miete, Rechenbeispiel mit vier Geräten
GerätKaufpreisTagesmieteKauf lohnt sich
Akku-Bohrschrauber120 €15 €ab dem 9. Einsatz
Bohrhammer180 €25 €ab dem 8. Einsatz
Tauchsäge mit Führungsschiene420 €45 €ab dem 10. Einsatz
Rüttelplatte900 €70 €ab dem 13. Einsatz

Die Schwelle ist der erste Einsatz, an dem die aufgelaufene Miete den Kaufpreis übersteigt. Beim Bohrschrauber sind 8 Miettage genau 120 €, deshalb lohnt sich der Kauf ab dem 9. Einsatz.

Was die Miete zusätzlich kostet

Die Tagesmiete ist nie der ganze Betrag. Dazu kommen die Fahrt zur Station und zurück, zweimal je Einsatz, die Kaution, das Verbrauchsmaterial, das die Station getrennt abrechnet, und die Öffnungszeiten, die bestimmen, wann Ihr Arbeitstag endet.

Rechnen Sie zwei Fahrten zu je 20 Minuten als festen Zuschlag ein. An einem Samstag, an dem Sie ohnehin nur 6 Stunden arbeiten, ist das mehr als ein Zehntel der Zeit, und es ist der Grund, warum ein zweiter Miettag oft nötig wird, den die Break-even-Rechnung nicht vorgesehen hatte.

Zwei Miettage statt einem halbieren die Schwelle. Beim Bohrhammer bedeuten 50 € statt 25 € je Einsatz, dass sich der Kauf bereits ab dem 4. Einsatz trägt, denn 4 Einsätze zu 50 € sind 200 € gegen 180 € Kaufpreis. Prüfen Sie deshalb vor der Rechnung, ob ein Einsatz bei Ihnen wirklich an einem Tag endet.

  • Zwei Fahrten je Einsatz, hier mit je 20 Minuten angesetzt
  • Kaution, die bis zur Rückgabe gebunden ist
  • Verbrauchsmaterial wie Bohrer, Blätter und Schleifmittel, meist getrennt abgerechnet
  • Rückgabezeiten, die den letzten Arbeitsschritt des Tages bestimmen
  • Zweiter Miettag, sobald eine Arbeit über das Wochenende läuft: beim Bohrhammer sinkt die Schwelle damit vom 8. auf den 4. Einsatz
A fitted watchmaker's tool kit in a metal case, with tweezers, files and loupes, in a display cabinet
A fitted case of precision watchmaking tools, each cut into its own recess in the tray.Foto: Woweamence · CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons · Quellenseite öffnen
Black and white survey photograph of a wall junction between timber boards and rough brickwork
An architectural survey frame recording where a timber-framed wall meets older masonry.Foto: Rosenthal, James W. Related names: Swan, Jack · Public domain · Wikimedia Commons · Quellenseite öffnen

Was das Eigentum zusätzlich kostet

Gekauftes Werkzeug verbraucht Platz, und Platz ist in einer Wohnung der teuerste Posten überhaupt. Ein Koffer im Keller ist leicht zu tragen, ein Satz aus fünf Koffern nicht mehr, und ab einem bestimmten Punkt entscheidet das Regal darüber, welches Gerät Sie tatsächlich benutzen.

Dazu kommt Pflege. Akkus altern auch ungenutzt, Schneidwerkzeuge stumpfen, und Geräte, die zwei Jahre ungenutzt stehen, verlangen vor dem Einsatz eine Prüfung. Wer dreimal im Jahr baut, schafft diesen Zustand regelmäßig.

Der Gegenwert ist Verfügbarkeit. Ein Gerät im eigenen Keller steht am Sonntagvormittag bereit, an dem keine Station geöffnet hat. Diese Verfügbarkeit ist der eigentliche Grund für den Kauf, und sie lässt sich in der Break-even-Tabelle nicht abbilden; sie ist der Zuschlag, den Sie bewusst bezahlen.

Aus einem Nicht-EU-Land bestellen: die Rechnung seit Juli 2026

Ein auffällig günstiges Angebot von außerhalb der EU ist nach der Einfuhr selten noch günstig. Der Zoll weist darauf hin, dass die frühere Zollfreigrenze von 150 Euro zum 1. Juli 2026 entfallen ist. Stattdessen fällt bei Sendungen bis 150 Euro ein pauschaler Zollbetrag von 3 Euro je Warenposition an, und seit dem 1. November 2026 zusätzlich eine Bearbeitungsgebühr der Union von 2 Euro je Warenposition.

Beides zählt in die Bemessungsgrundlage für die Einfuhrumsatzsteuer, denn laut Zoll sind der Zollbetrag und die Bearbeitungsgebühr Bestandteil dieser Grundlage. Der Satz beträgt 19 Prozent, für einzelne Waren wie Lebensmittel oder Bücher 7 Prozent; Werkzeug fällt unter den Regelsatz.

Durchgerechnet an einem Beispiel: Gerät für 120 € plus 20 € Versand ergibt einen Zollwert von 140 €. Dazu 3 € Zoll und 2 € Bearbeitungsgebühr, macht 145 € als Bemessungsgrundlage. 19 Prozent davon sind 27,55 €, die Gesamtsumme also 172,55 €. Das sind rund 44 Prozent über dem Angebotspreis von 120 €, und ein Händler innerhalb der EU muss diesen Abstand erst einmal überbieten.

Einfuhr eines Werkzeugs für 120 € aus einem Nicht-EU-Land, Stand 3. November 2026
PostenBetrag
Warenwert120,00 €
Versand20,00 €
Zollbetrag, pauschal je Warenposition3,00 €
Bearbeitungsgebühr der Union je Warenposition2,00 €
Einfuhrumsatzsteuer, 19 Prozent auf 145,00 €27,55 €
Summe172,55 €

Die Pauschale von 3 € gilt für Sendungen bis 150 Euro. Bei höherwertigen Sendungen greift der reguläre Zolltarif der jeweiligen Warennummer statt der Pauschale.

Faded colour photo of men beside a truck loaded with huge logs at a timber yard
Workers tallying a truckload of freshly cut logs arriving at a timber yard.Foto: Tomas Sennett · Public domain · Wikimedia Commons · Quellenseite öffnen

Die Entscheidung in vier Fragen

Erstens: Wie oft brauchen Sie das Gerät in den nächsten fünf Jahren, ehrlich gezählt und nicht nach Vorhaben? Zweitens: Liegt diese Zahl über der Schwelle aus der Tabelle? Drittens: Endet ein Einsatz bei Ihnen an einem Tag oder brauchen Sie zwei? Viertens: Haben Sie Platz für das Gerät, ohne dass ein anderes weichen muss?

Fallen die ersten beiden Antworten zugunsten des Kaufs aus, lohnt ein Blick auf die Gewährleistung. Mängelansprüche verjähren nach § 438 Absatz 1 Nummer 3 BGB in zwei Jahren ab Ablieferung, und diese Frist läuft bei einem Gerät, das Sie dreimal im Jahr benutzen, schneller ab, als der erste Defekt auftritt.

Fällt die Entscheidung zugunsten der Miete aus, buchen Sie den ganzen Zeitraum von vornherein. Ein verlängerter Miettag kostet in dieser Rechnung denselben Betrag wie ein geplanter, verschiebt aber die Schwelle, ab der sich der Kauf doch gelohnt hätte.

Vor dem Kauf

  • Zählen Sie die Einsätze der letzten drei Jahre, bevor Sie die künftigen schätzen
  • Teilen Sie den Kaufpreis durch die Miete je Einsatz und notieren Sie die Schwelle
  • Prüfen Sie, ob ein Einsatz bei Ihnen an einem Tag endet oder zwei Miettage braucht
  • Rechnen Sie zwei Fahrten je Einsatz in die Zeitplanung ein
  • Besorgen Sie Verbrauchsmaterial vor dem Miettag, nicht an der Station
  • Addieren Sie bei Bestellungen aus Nicht-EU-Ländern 3 € Zoll, 2 € Bearbeitungsgebühr und 19 Prozent Einfuhrumsatzsteuer
  • Legen Sie bei einem Kauf das Ablieferungsdatum zum Beleg, weil die Frist aus § 438 BGB daran hängt

Häufige Fragen

Ab wann lohnt sich der Kauf eines Bohrhammers?
Bei einem Kaufpreis von 180 € und 25 € Tagesmiete ab dem 8. Einsatz, denn 8 Miettage sind 200 €. Brauchen Sie regelmäßig zwei Tage je Einsatz, sinkt die Schwelle auf den 4. Einsatz, weil dann 50 € je Einsatz anfallen. Beide Zahlen setzen Ihre eigenen Preise voraus; die Formel bleibt Kaufpreis geteilt durch Miete je Einsatz.
Rechnet sich eine Bestellung aus einem Nicht-EU-Land noch?
Nur bei deutlichem Preisabstand. Im Beispiel oben werden aus 120 € Warenwert 172,55 €, also rund 44 Prozent mehr, weil Versand, 3 € Zollpauschale, 2 € Bearbeitungsgebühr und 19 Prozent Einfuhrumsatzsteuer dazukommen. Ein Angebot innerhalb der EU muss diesen Abstand nicht erst aufholen, und die Rücksendung ist im Mangelfall erheblich einfacher.
Kann ich bei der Mietstation Verbrauchsmaterial sparen?
Teilweise. Bohrer, Sägeblätter und Schleifmittel werden meist getrennt abgerechnet und sind an der Station selten günstiger als im Handel. Wer das Material vorher besorgt, spart Geld und vermeidet, dass der Arbeitstag an einem fehlenden Blatt endet. Die Aufnahme der Fahrt in die Rechnung ist wichtiger als die Ersparnis am Material.
Was ist mit gebrauchten Geräten?
Sie verschieben die Schwelle nach unten, weil der Kaufpreis sinkt: Ein Bohrhammer für 90 € statt 180 € trägt sich bei 25 € Miete schon ab dem 4. Einsatz. Beim Kauf von privat entfällt allerdings die Gewährleistung des Verkäufers regelmäßig; die 2 Jahre aus § 438 BGB bekommen Sie nur beim gewerblichen Verkäufer.
Wie viele Einsätze hat ein typisches Heimwerkerjahr?
Das hängt vom Vorhaben ab, aber die ehrliche Zählweise ist rückwärts: Wie oft haben Sie das Gerät in den letzten drei Jahren gebraucht? Bei einem Bohrhammer sind es in den meisten Haushalten ein bis zwei Einsätze im Jahr, also 5 bis 10 in fünf Jahren, und damit genau im Bereich der Schwelle aus der Tabelle.

Quellen

  1. Zoll – Wegfall der 150-Euro-Zollfreigrenze zum 1. Juli 2026, Pauschale von 3 Euro je Warenposition und Bearbeitungsgebühr der Union — geprüft am 2026-11-03
  2. Zoll – Internetbestellungen: Einfuhrumsatzsteuer 19 Prozent, Bemessungsgrundlage aus Zollwert und Zoll — geprüft am 2026-11-03
  3. § 438 BGB – Verjährung der Mängelansprüche: zwei Jahre ab Ablieferung — geprüft am 2026-11-03